Bio ist in, keine Frage. Wer sich ein bisschen in der medialen Welt bewegt, kommt kaum noch darum herum. Seien es Öko-Blogs,
Dokumentationen, die das Konzept "bio" hinterfragen oder Kolumnen in einer Zeitung: das Thema bio trifft man immer wieder. Auch in der örtlichen Buchhandlung bin ich darüber gestolpert. Gleich ein ganzer Tisch mit derartigen Büchern fand sich dort. Ein Autor schreibt über seine Kindheit auf dem Biohof, ein anderer rechnet reißerisch mit "der Bio-Lüge" ab. Naja.
Ins Auge stach mir aber ein anderes Buch, wohl allein schon wegen des frechen Titels: "Nackt schlafen ist bio" von Vanessa Farquharson.
Auch wenn ich zunächst ein wenig skeptisch wegen des Untertitels war - denn Geschichten über die große Liebe sind meistens (zumindest wenn sie explizit als solche betitelt sind) oft anstrengend kitschig - entschied ich mich nach ein paar Seiten Problelesen zum Kauf.
Und was soll ich sagen - bisher bereue ich es nicht. Die Autorin beschreibt erfrischend und unterhaltsam ihr Experiment, den Hippie in sich zu entdecken und die Welt jeden Tag ein bisschen besser zu machen. Und das ist durchaus wörtlich gemeint. Ein Jahr lang will sie jeden Tag eine Bio-Idee (vielleicht eher: Ökö-Idee) umsetzen, egal wie klein sie im einzelnen auch sein mag. Denn sie weiß - in allen Dingen perfekt machen kann man es sowieso nie.
Die einzelnen Projekte sind teilweise banal, teilweise eher abenteuerlich und reichen von "Stoffeinkaufstaschen verwenden" über "Wechsel zu einem umweltfreundlichen Spülmittel", "nur noch eine Tasse und ein Glas pro Tag benutzen", "Papier doppelseitig bedrucken" bis hin zu "im Dunkeln duschen". Manchmal merkt man, dass ihr bei der Mammutaufgabe, 365 Weltverbesserungsprojekte zu finden, die Ideen ausgegangen sind. Aber mal ehrlich, das kann man ihr durchaus verzeihen, oder? Würde ich so eine Liste erstellen, käme ich nicht annähernd auf diese Zahl.
Aber keine Sorge: nicht jedes Mini-Projekt wird klein in klein beschrieben. Weit gefehlt. Vielmehr wird an einzelnen Ideen gezeigt, auf welche Schwierigkeiten sie stößt, wie ihr Umfeld auf ihren plötzlichen Ökotrip reagiert und wie auch sie selbst darüber reflektiert. Sie zweifelt, sie ist stolz, sie wagt Neues. Und sie nimmt sich selbst nicht zu ernst. Das macht sie gleich auf den ersten Seiten deutlich: sie will einen Gegenpol bilden zu den verbissenen, anklagenden "Hundertfünfzigprozentigen" und selbst entdecken, was machbar ist. Und wenn sie dabei auf die Nase fällt, dann ist das eben so.
Das alles beschreibt die Journalistin auf humorvolle, lockere Art - es macht Spaß, ihr auf dieser Reise mit all ihren Skurrilitäten zu folgen. Zum Ausgang ihres Experiments und dem angekündigten Finden der großen Liebe kann ich allerdings noch nichts sagen. Aber ich bin zuversichtlich. ;)