Obwohl ich nun schon einige Jahre in der schönen Hansestadt Greifswald lebe, ist das Pommersche Landesmuseum bisher irgendwie an mir vorbei gegangen. Oder eher ich an ihm, jedenfalls im wörtlichen Sinne. Sicherlich kenne ich das große Gebäude in der Nähe vom Markt, das sich durch ein großes Schild als Pommersches Landesmuseum zu erkennen gibt, doch dass sich darin wahre Schätze verbergen, war mir nicht klar. Liebes Museum, du brauchst einen neuen Marketingchef. Offenbar geht es vielen wie mir, denn als ich dort gestern tatsächlich einmal die Ausstellung besichtigte, waren wir die einzigen Besucher. Damit das nicht so bleibt, rühre ich an dieser Stelle kräftig die Werbetrommel.
Was gibt es nun dort zu sehen?
Tja, wo soll ich anfangen? Das Museum ist riesig und bietet in verschiedenen Bereichen einen umfassenden Einblick in die Geschichte Pommerns - angefangen von der erdgeschichtlichen Entstehung (Fossilien!), Besiedlung durch den Menschen (Steinzeit, Bronzezeit), Christianisierung (Wissenswertes über örtliche Klöster), mittelalterliche Städte, Geschichte der hiesigen Universität, 30jähriger Krieg und Schwedenzeit, Entstehung der Seebäder, Kaiserzeit undundundundund... Es hört gar nicht mehr auf.
Dabei ist jeder thematische Abschnitt umfassend und interessant gestaltet. Auch für Kinder gibt es einiges zum Ausprobieren und Anfassen. Es gibt insgesamt so viel zu entdecken, dass man gar nicht weiß, wohin man zuerst schauen soll.
Meine persönlichen Highlights waren unter anderem:
- ein steinzeitlicher Kinderschädel mit Spuren einer frühen Hirn-OP
- generell die große Auswahl an archäologischen Fundstücken aus der Region (z.B. Beigaben aus Hühnengräbern / Megalithen, bronzezeitlicher Schmuck, Werkzeuge, Waffen, Gefäße, römische Münzen, ...)
- Richtschwerter aus Greifswald und Kolberg(?)
- der Croy-Teppich (beeindruckende Größe, dabei sehr filigran)
- die Insignien des Greifswalder Rektors (hier zu sehen, wenn auch nicht so schön inszeniert wie im Museum)
- die alte Tür des Karzers mit unzähligen Verewigungen der Insassen
Ich habe sicher noch vieles vergessen, was auch erwähnenswert wäre.
Neben dieser an sich schon gigantischen Ausstellung bietet das Museum eine Gemäldegalerie auf 2 Etagen mit namhaften Künstlern aus der Region oder auch Werken, die sich thematisch mit Pommern befassen. Hier finden sich beispielsweise Werke von Caspar David Friedrich, dem wohl berühmtesten Kind der Stadt Greifswald. Ein Gemälde von Van Gogh ist mir ebenfalls ins Auge gesprungen. Leider war ich nach 3 Stunden Rundgang nicht mehr so aufnahmefähig, dass ich die Galerie hätte genauer inspizieren können.
Das ist nämlich der große Nachteil des Museums: es ist einfach zu groß, um sich alles an einem Tag anzusehen. Doch bei den humanen Eintrittspreisen kann man auch einen zweiten Besuch riskieren, finde ich. Vielleicht mache ich das noch mal im Sommer, dann kann man auch die Gärten besichtigen.
Parallel zur Dauerausstellung finden auch wechselnde Sonderausstellungen statt. Leider habe ich knapp jene zu historischem Spielzeug verpasst...
Der Vollständigkeit halber erwähne ich noch das LeCroy, das angeschlossene Restaurant und Café. Ob es sich allerdings lohnt, kann ich nicht beurteilen. Sagen wir so: darin verkehrt die gehobene Gesellschaft, falls es die in Greifswald gibt. ;)

Auf diesen Eintrag hat mich mein Mann aufmerksam gemacht, ich hatte ihn glatt übersehen... das arme Museum muss sowas an sich haben, dass man nicht drauf achtet. Dabei klingt das wirklich interessant - man geht viel zu selten in Museen. Naja, und einige sind auch langweilig und lieblos, aber dieses hier ja offensichtlich nicht!
AntwortenLöschenStimmt, man sollte sich definitiv öfter auf Museen einlassen. Heutzutage sind viele ja längst nicht mehr so staubig und langweilig.
AntwortenLöschenBestes Beispiel ist auch das Haus der Geschichte in Bonn, da war ich auch ganz überrascht. Grandios. Und dort zahlt man nicht mal Eintritt! Hmm, vielleicht wäre das auch mal einen Blog-Eintrag wert. ;)